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Insektensterben: Es ist 5 vor 12

3 - August - 2018 | Kommentare deaktiviert für Insektensterben: Es ist 5 vor 12

Insekten sind für viele Menschen erst mal, ja, sagen wir ruhig, eklig. Wer will schon Ameisen oder Ohrenkäfer auf seinem Balkon haben? Und auch auf die lästigen Wespen oder Bienen beim Kaffeekränzchen können die meisten wohl getrost verzichten. Dass manche Insekten zwar störend sind, aber dennoch für uns alle lebenswichtig, das verinnerlichen viele nicht. Erst seit in der letzten Zeit immer mehr vom Insektensterben in den Medien berichtet wird, werden viele hellhörig und beschäftigen sich mit diesem Thema. Ausreichend? Die meisten vermutlich nicht, denn jeder kann etwas dafür tun, dass das Insektensterben aufhört. Wie wichtig diese kleinen Tierchen sind und was jeder von uns tun kann, wollen wir in den nächsten Zeilen erklären.

Insekt auf Kornblume

© cane

Insektensterben: Rund 80 Prozent Schwund
Woher weiß man eigentlich, dass es weniger Insekten gibt? Wie kann das gemessen werden? Nun, es gibt verschiedene Studien, eine davon ist von Entomologen aus Krefeld. Diese stellen seit 1989 Insektenfallen auf. Zu Beginn der Studie gab es noch rund 1,4 Kilo tote Insekten pro Jahr. Mittlerweile sind pro Falle nur noch etwa 300 Gramm zu finden. Ein drastischer Rückgang um fast 80 Prozent.

Dabei geht es hierbei nicht nur um die fliegenden Insekten, wie etwa Bienen, Wespen, Hummeln oder Schmetterlinge. Dies sind nur beispielhafte Exemplare, die wir überhaupt sehen und wahrnehmen. Die meisten dieser Insekten sehen und hören wir gar nicht. Man stelle sich vor: Weltweit gibt es etwa 1 Million Insektenarten, allein in Deutschland sind es 33.000. Jedes Insekt hat eine Aufgabe. Die einen sind für die Bestäubung zuständig, andere für die Vermehrung von Pflanzen, wieder andere kümmern sich um den Boden, damit dieser fruchtbar bleibt und somit eine Artenvielfalt bei Pflanzen besteht.

Insektensterben: Ohne Insekten stirbt auch der Mensch
Wären die Insekten nicht mehr da, würde der Mensch keine zehn Jahre überleben, so Wissenschaftler. Kann man kaum glauben, scheint aber so zu sein. Denn auch wenn die Bestäubung von Pflanzen ein entscheidender Faktor im Leben ist, ist er noch lange nicht der einzige. Hier einige Gründe, warum der Mensch ohne Insekten nicht leben kann:

  1. Insekten bestäuben Pflanzen. Würde es keine mehr geben, könnten manche Pflanzen zwar durch den Wind bestäubt werden, dies genügt aber bei Weitem nicht aus. Keine Bestäubung bedeutet auch, keine Früchte und keine Fortpflanzung. Ergo würde für Mensch und Tiere ein entscheidender Teil in der Nahrungskette wegbrechen – und zwar rund ein Drittel unserer Nahrungsmittel.
  2. Wie der Mensch ein Immunsystem hat, so hat das auch die Natur. Die Pflanzen wären ohne Insekten nicht so widerstandsfähiger und damit anfälliger vor Krankheiten. So könnten in kürzester Zeit ganze Arten ausgerottet werden.
  3. Insekten sorgen dafür, dass nahrhafter Boden entsteht. Auch Mist, Pflanzenschnitt und grüne Essensabfälle werden in Biomasse umgewandelt. Erde wird durch Insekten durchlüftet, umgelagert und durchmischt.
  4. Insekten sind bei der Produktion von Textilien unverzichtbar.
  5. Insekten werden auch in der Medizin und bei der Herstellung von Chemikalien verwendet.

Auch dienen Insekten anderen Tieren als Nahrung. Bevorzugt unseren Vögeln, die in den letzten Jahren auch immer weniger werden, was eine Folge des Insektensterbens ist. Wie Sie sehen: Es ist bereits 5 vor 12!

Insektensterben: Woran liegt der Rückgang der Population?

Warum sterben die Insekten eigentlich? Warum jetzt? Das Insektensterben hat mehrere Gründe und kann sicherlich nicht nur auf einen begrenzt werden. Wobei für einen Großteil wohl die Nutzung von Pestiziden verantwortlich ist. Bei den Pestiziden sind vor allem die Neonicotinoide zu nennen. Diese sind zwar in der EU verboten, allerdings darüber hinaus leider nicht. Auch Unkrautvernichtungsmittel stehen massiv in der Kritik. Sie haben mit Sicherheit die Diskussion um Glyphosat verfolgt. Auch dieses Mittel soll für das Insektensterben verantwortlich sein und verboten werden.

Dazu kommen außerdem:

  • Der Klimawandel. Durch das Steigen der Temperaturen werden manche Insektenarten zurückgedrängt bzw. können in ihrem gewohnten Lebensraum nicht überleben.
  • Die Landwirtschaft. Böden werden überdüngt, es werden immer gleiche Getreide- und Gemüsearten angebaut (Stichwort: Monotonie in der Agrarwirtschaft).
  • Die Bebauung. Städte werden größer, Felder und Wälder müssen dafür geopfert werden. Überall entstehen große Industriegebiete, ohne die Verluste in der Natur auszugleichen.
  • Die Biodiversität. Die biologische Vielfalt ist durch den Rückgang von Biotopen (Grund ist vor allem zu viel Stickstoff) gefährdet. In Deutschland gibt es knapp 700 unterschiedliche Lebensraumtypen, rund 70 Prozent davon sind von der Vernichtung bedroht.
  • Die Preise. Billigprodukte in Discountern werden meist aus dem Ausland bezogen Wer regionale Produkte kauft, handelt verantwortungsvoll. So wird die Umwelt durch Transporte nicht belastet und auch die Herkunft kann nachvollzogen werden. Der etwas teurere Preis sollte hier kaum ein Problem darstellen.

Insektensterben: Jeder ist gefragt
Um das Insektensterben zu stoppen, muss sich jeder hinterfragen und an die eigene Nase fassen. Jeder kann und muss seinen Teil dazu beitragen. Politiker ebenso, wie Landwirte und Verantwortliche in der Industrie. Und so kann es gelingen, das Insektensterben noch aufzuhalten:

  1. Alle Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel müssen geprüft werden, die, die für den Rückgang der Insektenpopulation verantwortlich sind, müssen weltweit verboten werden.
  2. Jeder sollte auf Bioprodukte aus der Region setzen. Stichwort ist hier der ökologische Landbau, bei dem ein Einsatz von Pestiziden kaum mehr vorkommt. Das Logo für diesen Anbau ist ein grünes Sechseck mit dem Schriftzug „Bio nach EG-Öko-Verordnung“.
  3. Vielfältige Landwirtschaft ist gefragt. Monotone Agrarwirtschaft gehört der Vergangenheit an – Monokulturen machen die Böden kaputt und entziehen den Insekten Nahrung.
  4. CO2 muss weiter eingedämmt werden. Hier ist nicht nur die Autoindustrie gefragt, sondern auch die Landwirtschaft. Grund: Jede Kuh produziert täglich mehrere Hundert Liter Methan. Auf das Jahr gerechnet kann man den CO2-Ausstoß einer Kuh mit dem eines Mittelklassewagens bei einer Laufleistung von rund 20.000 Kilometern gleichsetzen. Weniger Fleischproduktion heißt somit weniger CO2-Produktion.
  5. Natur muss weitestgehend erhalten werden. Wälder, Wiesen und Äcker dürfen nicht weiter in dem Maße für die Bebauung genutzt werden, wie es momentan der Fall ist.

Damit man die Population der Insekten im Blick hat, fordert der Naturschutzbund Deutschland ein sogenanntes Insektenmonitoring – und zwar flächendeckend. Damit könnten gefährdete Insekten schnell lokalisiert und mit entsprechenden Maßnahmen gegengesteuert werden.

Vielleicht denkt sich jeder, der eine Terrasse oder einen Balkon hat, dass er selbst wenig tun kann. Da täuschen Sie sich, denn jeder kann – auch auf seinem Freisitz – eine Menge tun (je nach Größe und Möglichkeiten natürlich):

  • Sorgen Sie für Pflanzenvielfalt! Viele unterschiedlich blühende Pflanzen ziehen auch zahlreiche Insekten an. Nutzen Sie dazu aber Pflanzen, bei denen Insekten auch Nahrung finden. Nicht bei jeder, für uns duftende und schön aussehende Pflanze, finden Bienen und Hummeln Nektar. Wenig finden die fliegenden Insekten beispielsweise bei Geranien, Dahlien, Tulpen, Primel, Stiefmütterchen und Chrysanthemen. Besser sind Wildblumenmischungen oder Pflanzen wie Krokusse, Heide, Küchenschelle, Glockenblumen oder Günsel.
  • Auch Kräuter können und sollten Sie anbauen. Hier bevorzugen Bienen vor allem Salbei, Minze, Basilikum, Schnittlauch, Koriander, Thymian und Zitronenmelisse.
  • Sie können Insekten auch einen Nistplatz bieten und zwar in Form eines Insektenhotels. Ein Unterschlupf beispielsweise für Bienen, Ohrwürmer, Hummeln, Marienkäfer, Schmetterlinge und Florfliegen.
  • Für Zeiten, in denen noch keine Sommerblumen blühen oder diese schon verblüht sind, können Sie zum Beispiel Efeu oder Winterheide pflanzen, denn Bienen sammeln Nektar nicht nur im Sommer, sondern von März bis Oktober.
  • Sofern Blumen, Kräuter, Obst oder Gemüse auf dem Balkon nicht so gedeihen, wie Sie sich das vorstellen, weil Krankheiten oder Schädlinge die Pflanzen befallen, steuern Sie mit Hausmitteln entgegen und nicht mit Pflanzenschutzmitteln.

Sie sehen, dass auch Sie mit ein paar wenigen Dingen Insekten einen tollen Lebensraum ermöglichen können, in dem sie ausreichend Nahrung finden. Würde jeder so denken, wäre schon viel geholfen. Denn ein Fortschreiten des Insektensterbens wäre fatal – für uns alle.

 

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